Michele Savino
Gudrun Bonnemann
Rudolf Kneip
Albert Elbert
Josef Fassbender
Auftrittschronik
Fotogalerie
Konzert vom 03.11.1985

Programm

Melchior Franck (1580-1639): "Zart schöne Jungfräulein". Kanzone aus "Convivum" (1621)
Johann Hermann Schein (1586-1630): "Holla, gut Gsell" aus "Studenten-Schmaus à 5" (1626)
Thoinot Arbeau (1519-1595): "Belle, qui tiens ma vie". Pavane aus "Orchésographie" (1589)
John Dowland (um 1563-1626): "Süßes Lieb" aus "First Book of Songs" (1597)
Franz Schubert (1797-1828): Marcia und Allegretto aus "Divertissement à la hongroise" op. 54 (D 818)
Johannes Brahms (1833-1897): Liebeslieder-Walzer op. 52

Ausführende:
Madrigalchor Kerpen
Michael Jüttendonk und Gerhard Michalski, Klavier
Leitung: Gudrun Bonnemann



Presse-Echo

Mehr als Liebeslieder
Madrigalchor überzeugte mit vielseitigem Programm

[rj] "Madrigale", das sind mehrstimmige Hirtenlieder aus dem 16.und 17. Jahrhundert. "Sprechen diese Lieder heute noch jemanden an?", möchte man fragen. Dass sie mehr sind als nur "Liebesliedchen", beweis der Madrigalchor Kerpen. Am Sonntag gab der Chor unter der Leitung der Sindorfer Organistin Gudrun Bonnemann sein erstes Konzert in der Aula des Kerpener Tagesheimgymnasiums.
Der Chor begann a capella. Sanft webten die Sängerinnen und Sänger mit "Zart schöne Jungfräulein.." aus Melchior Francks "Convinium" [!] die ersten Fäden über die Jahrhunderte hinweg. Johann Hermann Scheins "Holla, gut Gesell" aus dem "Studenten-Schmauß" und ein französisches Madrigal verbanden Munterkeit mit Sanftheit und Ruhe. Süße Leidenschaft klang aus dem letzten Madrigal "Süßes Lieb" aus John Dowlands "First Book of Songs".
Anschließend lag die Betonung mehr auf dem Ton als auf dem Wort. Vierhändig am Klavier hielten Michael Jüttendonk und Gerhard Michalski aus Bergheim die Zuhörer mit ständig wechselnden Tempi in Atem. Franz Schuberts "Marcia" und "Allegretto" aus dem Divertissement à la hongroise stellten hohe Anforderungen an das Taktgefühl und die Harmonie der Musiker. "Marcia" – streng akzentuiert, wie bei einem Wanderlied fast, aber doch leicht wie zum Tanze erklang der Flügel.
Ein Schelmenstück
Das "Allegretto" beginnt verhaltener, doch schon bald steigt die Melodie im Wechsel mit harmonischen Schüben hinauf, um sich traurig aufzulösen und wieder aufzusteigen. Sanft glitten die Finger der beiden Pianisten am Ende des Stücks über die Tasten, als gelte es das Temperament zu zähmen, doch drängten sich immer wieder wilde Einschübe in die ruhig fließenden Sequenzen.
Gemeinsam bestritten die beiden Pianisten und der Madrigalchor Kerpen den Hauptteil des Konzerts: Die "Liebesliederwalzer Opus 52 für vierstimmigen Chor und Klavier zu vier Händen" von Johannes Brahms. Man kann sich an der Sprache stören, man kann sagen, so romantisch denkt doch heute keiner mehr, aber die Zuhörer in Kerpen konnten sich den vielfältigen Gefühlen nicht entziehen, die Brahms in Musik gefasst hat
Auf achtzehn Stationen führte der Chor die Zuhörer. Von berauschenden Seufzern war die rede, schüchtern verliebt die arme Dirn und tänzelnd flötend die Tenöre. Traurig erstarb der Sopran, wenn er "dem Kalten auch noch so dicht vorm Auge stehe, es merkt sein Auge, sein Herze nicht."
Michael Jüttendonk und Gerhard Michalski am Klavier spielten zurückhaltend, aber immer im Bezug zum Gesang. Das Klavier deutet den Inhalt der Strophen an. Zwei Zugaben forderte das Kerpener Auditorium. Gudrun Bonnemann und ihr Chor verabschiedeten sich mit : "ach, es ist nicht auszukommen mit den Leuten". Ein Schelmenstück? – Sicherlich, Gudrun Bonnemanns Lachen verriet es. (Kölner Stadt-Anzeiger vom 06.11.1985)


Der "Madrigalchor" gab in Kerpen sein Debüt

[Heinz Hillmann] Am erftländischen Chorhimmel ist ein neuer Stern aufgegangen. In der Aula des Kerpener Tagesheimgymnasiums stellte sich erstmalig unter der Leitung von Gudrun Bonnemann der "Madrigalchor Kerpen" vor, dessen Darbietungen aufhorchen ließen.
In der Musikszene des Erftkreises ist Gudrun Bonnemann keine Unbekannte mehr. Als Kantorin der Pfarre "Maria Königin" machte sie in den vergangenen Jahren durch eine Reihe von spektakulären Kirchenkonzerten von sich reden. Im Mai 1985 ergriff sie eine neue Initiative: Aus ihrem großen musikalischen Bekanntenkreis in der Region Köln-Bonn-Aachen suchte sie sich die besten Sängerinnen und Sänger aus, 20 an der Zahl, und gründete mit ihnen den Madrigalchor, von dem – das war schon beim Debüt zu hören – auch in Zukunft einiges zu erwarten ist.
Die Ränge in der Aula waren bis auf den letzten Platz besetzt, als der neue Chor auf das Podium schritt und mich Melchior Francks Kanzone "Zart schöne Jungfräulein" den Reigen der an den Anfang gestellten Madrigale eröffnete. "Zart" und leicht dahingehaucht war auch die Darbietung dieser altmeisterlichen Kanzone, die beim Publikum den "Appetit" auf die weiteren Vorträge des Madrigalchors weckte. So überzeugten das zeitweise burschikos "Holla gut Gesell" von Johann Hermann Schein, dynamisch stilangemessen abgestuft, wie auch die immer wieder unter die Haut gehende "Pavane" von Thoinot Arbeau durch chorische Delikatesse und das Engagement jedes einzelnen Chorsängers. John Dowlands "Süßes Lieb" beschloss die Folge dieser Renaissance-Gesänge und ließ aufs neue die ätherische Schönheit der Chorwerke dieser Epoche aufklingen.
Dass der Madrigalchor nicht die Absicht hat, nur "alte Meister" zu singen, bewies er in seinem weiteren Beitrag, dem "Liebeslieder-Walzer op. 52" von Johannes Brahms. Hier gelang es Gudrun Bonnemann, das romantische "Flair" des 16 Folgen umfassenden Chorliederzyklus in Interpretationen umzumünzen, die der Brahms’schen Konzeption einerseits, zum anderen aber auch der Bonnemann’schen Ausdeutung gerecht wurde. Die vielseitigen Aspekte der Gesamtkomposition, von beschwingter Walzerseligkeit ("Wenn so lind dein Auge mir") bis hin zum drastischen "Nein, es ist nicht auszukommen" reichen, wurden vom Chor gleich souverän gestaltet wie die Chorwerke des ersten Teils
Nicht vergessen darf man den instrumentalen Mittelteil des Konzerts, in dem sich die beiden Pianisten Michael Jüttendonk und Gerd Michalski in den Sätzen "Marcia" und "Allegretto" des Schubert’schen "Divertissements a la hongroise" ein kongeniales "Vierhänder"-Duo lieferten. Auch hier hielten sich die beiden Interpreten an eine stilgerechte Darbietung. Ihnen galt der begeisterte Beifall ebenso wie dem Chor, der sich mit einigen Zugaben revanchieren musste. (Kölnische Rundschau vom 08.11.1985)


Konzert vom 04.01.1986